„Niemals Täter gewesen sein werden“

Nachdem Vito Bica mich fragte, ob ich einen Text zum Katalog des kritischen Plakatprojekts  „Wir sind ein Volk“ beitragen wollte, versuchte ich mich an einem sonderbaren Problem aus der aktuellen politischen Landschaft in DE: Der Zorn der Neofaschisten darüber, als Neofaschisten bezeichnet zu werden. Ausgehend von Harald Welzers Untersuchungen zum ‚unschuldigen‘ Selbstbild von Kriegsverbrechern liegt nahe, dass diese paradoxe Selbstverleugnung nur zu einem kleinen Teil schizophren ist und vielmehr ein – wenngleich unterbewusster – Versuch, extreme Positionen soweit zu normalisieren, dass sie nahtlos in den bürgerlichen Alltag übertragen werden zu können.